Deine Fragen an den Mönch
Martina fragt den Mönch:
Röm 3,23: „Eines aber haben alle Menschen gemeinsam: alle sind Sünder und haben nichts vorzuweisen, was Gott gefallen könnte.“
Das stimmt doch gar nicht, oder? Denn es heißt ja auch, dass Gott die Menschen liebt, wie seinen eigenen Sohn?!?
Martina
Liebe Martina,
danke für deine Frage und danke für deine Skepsis, denn die Bibelstelle, die du ansprichst wirft tatsächlich viele Fragen auf.
Der Apostel Paulus, aus dessen Brief diese Textstelle stammt, spricht in dem ganzen Kapitel über Sünde, über Fehler und Schuld, ja über das, was im Leben der Menschen nicht gut ist. Das wir – du und ich – ja jeder Mensch davon nicht frei ist, leuchtet dir sicherlich ein. Doch dass Paulus sagt, wir haben nichts vorzuweisen, was Gott gefallen könnte, ist in der Tat verwunderlich.
Vielleicht hilft eine andere Formulierung den Gedanken von Paulus besser zu verstehen: „Alle haben gesündigt und die Herrlichkeit Gottes verloren.“ Immer dann, wenn wir etwas tun, dass gegenüber Gott, unseren Mitmenschen oder gegenüber uns selbst nicht gut ist oder wenn wir eine Chance etwas Gutes zu tun nicht nutzen, dann entfernen wir uns ein Stück weit von Gott, dann verlieren wir etwas von dem, wie Gott uns eigentlich als „gut“ geschaffen hat.
Denn alles GUTE, das wir in uns tragen, was uns auszeichnet und was wir gut können, hat letztlich seinen Grund in Gott. Er hat es in uns grundgelegt. Durch ihn können wir gut handeln. Ich bin davon überzeugt, dass auch der Mensch, der nicht an Gott glaubt, seine guten Fähigkeiten und Taten von Gott erhalten hat. Auch in ihm lebt Gott – er hat es nur noch nicht erkannt.
Jetzt hast du weiter nach der Liebe Gottes gefragt, dass nämlich Gott die Menschen wie seinen eigenen Sohn liebt.
Ja diesen Vergleich finde ich wunderschön, denn du spricht die Kernbotschaft des Glaubens an: Gott liebt uns so wie er Jesus geliebt hat: Nämlich so stark, dass er es zugelassen hat, dass man Jesus am Kreuz getötet hat. Aus Liebe ist Jesus am Kreuz gestorben. Und zwar aus Liebe für das, was Menschen zu allen Zeiten an Fehlern und Sünde getan haben. Durch seinen Tod und durch seine Liebe kann Gott uns vergeben, ja alles Negative wegnehmen.
Ohne, dass wir es eigentlich „verdient“ haben, schenkt uns Gott seine Zuwendung, seine Liebe, seine Vergebung. Paulus und die Kirche nennen so etwas GNADE. Und ich kann dir zusichern, Martina: Gott liebt alle Menschen und gerade die Menschen, die Schuld und Fehler mit sich tragen, liebt er ganz besonders.
Wenn wir diese Liebe annehmen, wenn wir selbst aus dieser Liebe leben, unser Leben nach diesen Maßstäben gestalten und selber anderen die Schuld vergeben, dann gibt es ganz viel, was Gott an unserem Leben gefällt, dann hast du, dann hat jeder von uns viel Gutes vorzuweisen.
Auch wenn das im Alltag manchmal nicht immer leicht ist – Gott schaut auf unsere Haltung und auch auf den guten Willen. „Geh und handle genauso!“ sagt Jesus einem Mann als er die Geschichte vom barmherzigen Samariter erzählt.
Überall dort, wo du Gott und seine Liebe in deinem Leben spürbar werden lässt, wird das Gute in dir sichtbar. Dazu wünsche ich dir ganz viel Mut und Kraft auf deinem Lebensweg.
Kevin, 16 Jahre:
Lieber Mönch,
unser Pastor ist 70, der Papst 80 und Jesus seit 2000 Jahren tot.
Was ist daran aktuell und was soll ich als Jugendlicher damit anfangen?
LG
Lieber Kevin,
du hast recht! – Auf den ersten Blick sieht die Kirche recht alt aus! Wenn ich sonntags beispielsweise in meine Kirche schaue, sehe ich viele grauhaarige Gläubige. Und das Alter der Priester und Bischöfe einschließlich des Papstes ist nicht gerade jugendlich.
Auch ich frage mich manchmal, wie die Kirche jünger und dynamischer werden kann. Die einzige Antwort, die mir dazu einfällt heißt: Die Botschaft Jesu hat auch nach 2000 Jahren nichts von ihrer jugendlichen Dynamik verloren. Seine Worte wie „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!“ bleiben aktuell. Es kommt für mich nicht so sehr auf das Alter eines Christen an, sondern ob seine Frohe Botschaft in ihm lebt. So kann auch noch ein Papst im hohen Alter für die Jugend von großer Bedeutung sein, weil Jesus sein Leben erfüllt und er uns viel zu sagen hat.
Denk einfach mal darüber nach! Du bist jedenfalls immer herzlich in unsere Kirche eingeladen. Dann würde unsere Kirche wenigstens auf den ersten Blick nicht immer so alt aussehen!
Über ein Wiedersehen freue ich mich!
GLG
Dein Mönch
Chantal, 18 Jahre:
Es gibt Menschen, bei denen ich mir wünsche, sie niemals getroffen zu haben. Gott kennt mich, also müsste er doch wissen, wen wir treffen wollen und wen nicht.
Es ist schwachsinnig, Idioten zu helfen, an seiner Geduld zu arbeiten oder mit ihnen Mitleid zu haben …
Liebe Chantal,
danke für deine offene Meinung. Deine Erfahrung mit bestimmten Menschen, die dich sehr enttäuscht haben, kann ich gut nachvollziehen. Sicherlich kennt Gott deine Gedanken und weiß auch darum, was diese Erfahrungen in dir auslösen. Äußerlich betrachtet „verdienen“ diese Menschen unsere Unterstützung sicherlich nicht.
Aber glaube mir: Gott kennt deine Mitmenschen und auch dich mehr, als du selbst es für möglich halten kannst. Wir können in das Herz – in die Seele eines Menschen nicht hineinschauen, seine Worte und sein Verhalten nicht immer verstehen. Aber sei du dir sicher, auch in der Begegnung mit diesen Menschen kann eine Chance, ein wertvoller Moment liegen. Vor Gott ist jeder von uns unendlich wertvoll.
Versuch einmal zu überlegen, wie Jesus auf diese weniger sympathischen Menschen reagieren würde. Jesus hat seinen größten Feinden seine Liebe geschenkt, sogar denen, die ihn tief verletzt haben, sogar denen, die ihn ans Kreuz gebracht haben. Er hat sich allen Menschen zugewandt: den Leidenden, den Suchenden, auch den Unsympathischen … An der Nächstenliebe erkennt man die Christen.
Wenn du für dich selbst auch keinen Nutzen darin siehst, so kann diese Begegnung doch für dein Gegenüber total wertvoll sein. Möglicherweise benötigt er oder sie deine Unterstützung. Vielleicht lässt Gott die Begegnung zwischen dir und diesen Menschen gerade deshalb zu, damit er oder sie durch dich ein „besserer Mensch“ werden kann – vielleicht gerade durch dich auf seine Fehler aufmerksam gemacht wird. Sicherlich wird das nicht immer so einfach und manchmal auch nicht möglich sein, aber es ist eine Chance. Sehr hilfreich ist es auch, diese Menschen im Gebet immer wieder vor Gott zu tragen und ihn auch für dich um Kraft, um das passende Wort und das richtige Verhalten zu bitten.
Gerne möchte ich dir ein Wort, das Mutter Teresa einmal gesagt hat, mit auf den Weg geben: „Lass nie zu, dass du jemandem begegnest, der nicht nach der Begegnung mit dir glücklicher ist.“
Vielleicht kannst du mit diesen Gedanken offener und unvoreingenommener in die nächsten Begegnungen gehen.
Dazu wünsche ich dir alles Gute.
Dein Mönch